Ja, kein schöner Anblick heute, ich weiß. Aber Thea und Margerit haben das Thema angesprochen und damit auch bei mir einen Nerv getroffen.

Ich weiß heute gar nicht, wo ich zuerst anfangen soll 😉 Aber das ist ja auch nichts Neues. Das liegt natürlich daran, dass ich mich diese Woche auf meine Zeitaufzeichnungen konzentriert (dazu in einem eigenen Beitrag), versucht habe, ein paar dringende Dinge zu erledigen und meine Gedanken zu dieser Seite mal für ein paar Tage zur Seite geschoben (man könnte auch sagen „aufgeschoben„) habe. Zweifelsohne will gut Ding Weile haben und mit 100 drängenden Sachen im Hinterkopf schreibt es sich halt nicht sehr entspannt. Ausreden? Wie auch immer, jedenfalls hatte ich erst heute wieder den Kopf und die Ruhe, mich dem Thema zu widmen…

Die liebe Thea war da sehr viel zielstrebiger und hat an die Prokrastinationsambulanz an der Uni Münster geschrieben. Hut ab, liebe Thea! Das steht zwar auch auf einer meiner Listen 😉 Du aber hast es tatsächlich zeitnah getan! Und Du hast natürlich völlig recht:

Aus Theas Korrespondenz

  1. Rauchen das Hirn u. damit die klare Sicht vernebelt
  2. man mit dem Argument „eben noch eine Zigarette“ immer einen Grund hat, etwas vor sich her zu schieben
  3. das Sitzen u. Sinnieren z.B. mit „Käffchen & Päffchen“ die idealen Rahmenbedingungen schafft, in denen man sich in absurdesten Gedankenschleifen verirren kann (Grübelzwang) – was innerlich zu Chaos u. äußerlich zum Stillstand führt – man sich körperlich also nicht mehr aufraffen kann – in Bewegung zu kommen, um die Dinge zu erledigen, die erledigt werden müssen.

Wie wahr, liebe Thea! Das heisst natürlich nicht, dass Raucher auch Prokrastinierer sind – mitnichten -, aber mit Sicherheit hat ein rauchender Prokrastinierer sehr viel mehr Mühe, das Laster an den Nagel zu hängen.

Und auch Margerits Gedanken treffen den gleichen  (Sarg-)Nagel auf den Kopf

Ich füge sehenden Auges meiner Gesundheit Schaden zu, und – kann trotzdem nicht die Finger davon lassen. Wann der Beginn meiner Nikotinsucht war, weiß ich genau. Wie kommt es, dass ich als „vernunftbegabter Mensch“ diesem Verlangen die Kräfte meines Verstandes unterordne? Angenommen der gleiche Mechanismus ist der Motor der Prokrastination, dann wäre ich nach dem Zustand, der dabei einsetzt, süchtig. Zu einfach oder um die falsche Ecke gedacht? Wenn dem doch so wäre, dann besteht Hoffnung, dass der Tag an dem ich die verfluchten Stängel zum Fenster rauswerfe auch der Tag ist, am dem ich die Prokrastination besiege.

Dass der Sieg über die Prokrastination auch der Sieg über den Blauen Dunst wäre, davon bin ich ebenfalls überzeugt. Dass Prokrastination Suchtkriterien erfüllt, da ist viel dran. Jedenfalls hat es oft den Anschein. Allerdings fehlt mir dabei tatsächlich die „Belohnung“. Sucht ist ja ein Belohnungssystem: Nikotinsucht + Entspannung, Koffeinsucht + Wachheit, Alkoholsucht + Rosa Brille, Kaufsucht + Selbstwert etc. Und ich behaupte mal, bei Prokrastination fehlt die Belohnung zur Gänze. Jedenfalls fühlt es sich so an. Es scheint – ganz im Gegenteil – ein „Bestrafungssystem“. Auf jedes Auschieben folgt die Strafe – mehr oder weniger – auf den Fuß. Oder überseh ich da was?

Ich glaube, hier täuscht der erste Eindruck: Nicht die Prokrastination hindert uns daran, eine Sucht zu besiegen, sondern es ist die Sucht an sich. Viele äußerst disziplinierte, zielstrebige „Karrieremenschen“ schlittern z.B. in die Alkoholabhängigkeit weil sie dem selbst auferlegten Druck nicht mehr standhalten. Aber wie schon vorher geschrieben, ist ein Prokrastinierer süchtig, dann hat er natürlich eine naheliegende Erklärung zur Hand und ohne Zweifel wird es ihm sehr viel schwerer fallen, seine Sucht zu besiegen.

Noch eine Gemeinsamkeit zwischen der Prokrastination und Süchten sehe ich: Beides wird dann ein existenzielles Problem, wenn Rote Linien überschritten werden…

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3 Kommentare auf "Blauer Dunst & Rote Linien"

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Thea Lücke
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Die Belohnung beim Prokrastinieren ist erstmal auch Entspannung – man schiebt ja Unangenehmes von sich weg, um sich angenehmeren Dingen zu widmen – z.B. Zeit + Käffchen + Päffchen = für mich das (vermeintlich) unschlagbare Trio für entspannende Momente. Aber: das Gefühl, unangenehme Dinge endlich erledigt zu haben, ist auch sehr gut – ich fühle mich dann auch innerlich „aufgeräumter“, weil dann ja eine unangenehme Sache weniger, die mir im Kopf rum-geistert. Um den Nikotin-Konsum etwas im Zaum zu halten, eignen sich Atem-Übungen ganz gut – statt der Zigarette einfach mal bewusst atmen. Bei mir funktioniert das gelegentlich – erst… Read more »